10 Jahre Justizgeschädigte Österreich

Vor zehn Jahren begann eine Bewegung, die aus Schmerz, Ohnmacht und dem tiefen Wunsch nach Gerechtigkeit entstanden ist. Auslöser war ein Fall, der weit über persönliche Betroffenheit hinaus Symbolkraft erlangte: der vielzitierte Fall Andrea Juen. Die Enteignung ihres Eigenheims, der jahrelange gerichtliche Kampf gemeinsam mit ihren drei Kindern und schließlich die gerichtliche Delogierung im Jahr 2016 wurden für viele Menschen in Österreich zum Sinnbild dafür, wie existenzbedrohend staatliche und gerichtliche Entscheidungen in das Leben von Familien eingreifen können.

Justizopfer Andrea Juen

Was damals als Schicksal einer einzelnen Familie begann, wurde rasch zum Weckruf für viele andere Betroffene. Menschen, die sich von Institutionen nicht gehört, von Verfahren zermürbt und von einem oft unnahbaren System im Stich gelassen fühlten, fanden zusammen. Daraus entstand die Bürgerbewegung Justizgeschädigte Österreich – eine Stimme für jene, die keine Stimme mehr hatten, ein Ort des Zusammenhalts, der Aufklärung und der gegenseitigen Unterstützung.

Zehn Jahre später blicken wir nicht nur auf Leidensgeschichten zurück, sondern vor allem auf Mut, Widerstandskraft und Beharrlichkeit. Zahlreiche Menschen haben sich dieser Bewegung angeschlossen, ihre Erfahrungen geteilt und dadurch sichtbar gemacht, dass Einzelfälle oft Teil größerer struktureller Probleme sind. Es ging und geht nie nur um einzelne Aktenzahlen oder Verfahren – es geht um Menschen, Familien, Existenzen und das Vertrauen in den Rechtsstaat.

Mit Oktober 2025 wurde aus dieser langjährigen Initiative der Verein Zentrum für Recht und Verfassung. Dieser Schritt steht für Entwicklung, Verantwortung und den klaren Willen, noch professioneller, nachhaltiger und wirksamer für Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und den Schutz von Bürgerrechten einzutreten. Aus einer Protestbewegung wurde eine organisierte Kraft der Zivilgesellschaft.

Das 10-jährige Jubiläum ist daher weit mehr als ein Gedenktag. Es ist ein Zeichen dafür, dass aus Unrecht Engagement entstehen kann, aus Betroffenheit Solidarität und aus Verzweiflung Hoffnung. Es erinnert uns daran, dass Gerechtigkeit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern täglich verteidigt werden muss.

Wir feiern zehn Jahre Stimme, zehn Jahre Zusammenhalt, zehn Jahre Einsatz für Wahrheit und Fairness – und wir blicken entschlossen nach vorne. Denn der Weg zu einem starken, menschlichen und vertrauenswürdigen Rechtsstaat geht weiter.